Akupunktur (Nadeltherapie)

Indikation einer Akupunkturbehandlung

Die chinesische Medizin betrachtet den Menschen in seiner Ganzheit und ist nicht in einzelne Fachrichtungen getrennt, wie unsere westliche Medizin. Ihr Anliegen ist es, Krankheiten nicht nur zu heilen, sondern auch der Entstehung schwerer und chronischer Krankheiten vorzubeugen.

Die Akupunktur, eine wichtige chinesische Heilmittelmethode, wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und führenden Akupunkturgesellschaften für viele Krankheitsbilder empfohlen. Eine Auswahl davon haben wir für Sie zusammengestellt.

In vielen Fällen ist die "Nadeltherapie" genauso wirksam oder sogar wirksamer als schulmedizinische Therapien. Grundsätzlich gilt aber: Akupunktur kann heilen, was gestört ist, sie kann aber nicht "reparieren", was bereits zerstört ist.

So kann sie bei der Gelenkerkrankung (Arthrose) mit Knorpelschädigungen nicht den Verlust des Knorpels rückgängig machen. Sie kann aber die damit einhergehenden Schmerzen an Bändern, Muskeln und im Bereich der Gelenkkapsel deutlich verringern. Durch eine Akupunkturbehandlung schwillt das Gewebe ab, es wird besser durchblutet, Gelenk und Muskulatur werden beweglicher und trainierbarer - der Schmerz lässt nach. Ein/e gut ausgebildete/r Akupunkturarzt/ -ärztin wird Sie kompetent darüber aufklären, welche Aussichten auf Heilung oder Linderung eine Akupunkturtherapie bei Ihren Beschwerden hat. Der Behandlungserfolg hängt von der Ausbildung und Erfahrung des Arztes/der Ärztin, aber auch von Ihrer eigenen Mitarbeit ab.

Wirkung der Akupunktur

An bestimmten Punkten des Körpers werden die dünnen Akupunkturnadeln platziert, wo sie etwa 20 bis 30 Minuten verbleiben und ihre heilsame Wirkung entfalten, während sich der Patient auf einer Liege entspannt.

Die meisten Patienten empfinden die Akupunktur - nicht selten schon bei der ersten Behandlung - als wohltuend, entspannend und oft verblüffend schnell wirksam. Wissenschaftler erforschen die Wirkung der Akupunktur intensiv und konnten in vielen Untersuchungen nachweisen, dass die chinesische Heilmethode bei einer Fülle von Erkrankungen hilft, oft gerade dann, wenn eine herkömmliche Behandlung erfolglos blieb. Was genau bei einer Akupunktur im Körper abläuft, ist wissenschaftlich noch nicht restlos aufgeklärt. Dank moderner wissenschaftlicher Untersuchungsverfahren konnte die Akupunkturwirkung in den letzten Jahren aber viel besser erklärt werden.

In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass das Nadeln bestimmter Akupunkturpunkte spezielle Wirkungen entfalten, z. B. Linderung vom Übelkeit und Erbrechen, Verminderung der Schmerzempfindlichkeit oder Förderung der Wehnen.

Die heilende Wirkung kommt u. a. dadurch zustande, dass der stimulierende Reiz der Nadel im Gehirn eine vermehrte Ausschüttung schmerzlindernder und stimmungsaufhellender Substanzen auslöst, die oft auch als "Glückshormone" bezeichnet werden. Dazu gehören das Serotonin, körpereigene Morphine wie das Endorphin sowie die Enkephaline. Mit modernen Verfahren wie der funktionellen Kernspintomographie lässt sich die Wirkung der Körperakupunktur (oder der Laserakupunktur) auf den Stoffwechsel im Gehirn eindeutig nachweisen:
In jenen Hirnbereichen, die mit den stimulierenden Akupunkturpunkten in Verbindung stehen, zeigt sich eine stark erhöhte Aktivität.

Große wissenschaftliche Studien belegen, dass die Akupunktur bei einer Reihe weit verbreiteter Erkrankungen wie Heuschnupfen, Tennisellbogen, Menstruationsbeschwerden, allergischem Asthma oder chronischen Wirbelsäulenleiden den herkömmlichen medizinischen Therapien klar überlegen ist.

Die weltweit größten Untersuchungen, die ART- und GERAC-Studien mit mehr als 250.000 Patienten, wurden in Deutschland durchgeführt. Sie ergaben, dass die Akupunktur bei chronischen Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen (z. B. infolge einer Arthrose) in drei von vier Fällen zu einer deutlichen und lang anhaltenden Schmerzlinderung führt. Die Studien wiesen darauf hin, dass die Akupunktur bei diesen Beschwerden genauso gut oder sogar besser wirkt als herkömmliche Therapien (Medikamente, Krankengymnastik oder Massagen).

Die Universitätsklinik Mannheim hat durch Studien belegt, dass Schwangere, die ab der 36. Woche akupunktiert werden, weniger Schmerzen bei der Geburt haben und die Geburt weniger lange dauert.

Vorgeschichte der Krankheit

Um sich ein genaues Bild vom Gesundheitszustand seines Patienten zu machen, sammelt der Arzt/die Ärztin nach schulmedizinischer Abklärung der Beschwerden in einem Erstgespräch, der so genannten Anamnese, sämtliche Informationen zur Krankengeschichte des Patienten. Dazu gehören neben einer Beschreibung der aktuellen Beschwerden auch Angaben darüber, wodurch diese schlimmer oder leichter werden und was diese ausgelöst haben könnten. Der eigentlichen Behandlung geht also eine ausführliche Befragung voraus.

Wichtige Hinweise geben dem Arzt/der Ärztin Angaben über die Qualität des Schlafs, den Appetit, die körperliche Belastbarkeit, die seelische Stimmungslage, über Urin, Stuhlgang und Verdauungsbeschwerden. Auch berufliche oder familiäre Belastungen, Menstruationsregelmäßigkeiten, Hitze- oder Kälteabneigungen sind von Bedeutung.

Eine körperliche Untersuchung, die oft Zungen- und Pulsdiagnose nach chinesischen Kriterien einschließt, rundet das Erstgespräch mit dem Patienten ab. Nun kann ein gut ausgebildeter Akupunkturarzt eine "chinesische" Diagnose stellen und die geeignete Behandlungsmethode bestimmen.

Wann spürt man eine Besserung?

Grundsätzlich gilt: Je länger eine Erkrankungen besteht, desto länger muss sie behandelt werden. Bei chronischen Erkrankungen (Krankheiten und Beschwerden, die länger als drei bis sechs Monate andauern) spürt man in der Regel zwischen der dritten und sechsten Sitzung eine positive Veränderung. Schmerzen lassen nach, der Schlaf wird tiefer und ruhiger, das Allgemeinbefinden und die seelische Stimmungslage verbessern sich. Erst nach etwa fünf bis sechs Sitzungen lässt sich genauer abschätzen, wie viele Behandlungen noch notwendig sind.

Therapieerfolg

Die heilende Wirkung einer Akupunktur hält bei Mitarbeit des Patienten oft ein Leben lang an. Je nach individueller körperlicher und seelischer Belastung, Fehlernährung oder ungesunder Lebensführung kann es aber auch nach einer gewissen Zeit zu erneuten Beschwerden kommen, so dass weitere Behandlungen oder eine „Auffrisch“-Akupunktur notwendig werden.

Wer kann eine Akupunkturbehandlung erhalten?

Für eine Akupunkturtherapie gibt es keine Altersgrenze, auch hochbetagte Menschen können von ihr profitieren. Babys und Kleinkinder reagieren oft sogar besonders sensibel, hier genügt manchmal schon sanfte Massage entlang der Akupunkturpunkte (Akupressur / Akupunkturmassage) oder eine schmerzlose Laserakupunktur. Für Schulkinder gibt es neben der Laserakupunktur auch noch die Möglichkeit, mit extrem dünnen, schmerzarmen Nadeln zu behandeln. Viele Kinder kommen damit ausgezeichnet zurecht. Bei Erwachsenen entscheidet die körperliche Verfassung darüber, wie viele Nadeln gesetzt werden und wie fein sie sein sollen. Menschen, die eine unüberwindbare Angst vor Nadeln haben, können auch mittels Laserakupunktur behandelt werden.

Kosten

Eine Akupunkturbehandlung kostet je nach Behandlungsdauer und -aufwand etwa 30 - 70 € pro Sitzung. Bei chronischen Knie- und Lendenwirbelsäulenerkrankungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Akupunktur. Bei allen anderen Erkrankungen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten nicht. Zusätzliche Maßnahmen (2. B. Schröpfen, Moxibustion) sind meist vom Patienten zu bezahlen. Alle privaten Krankenversicherungen erstatten Akupunktur im Rahmen einer Schmerzbehandlung, also z. B. bei Kopf-, Gelenk- und Wirbelsäulenschmerzen und auch bei anderen Erkrankungen außerhalb des Stütz- und Bewegungsapparates.

Aufklärung/ Risiken

Bei Ihnen ist eine Akupunkturbehandlung geplant. Die Akupunktur ist eine jahrtausendalte Behandlungstechnik, die traditionell in Asien im Rahmen der Traditionellen Chinesischen Medizin angewendet wird. In Deutschland handelt es sich bei der Behandlung mit Akupunktur um eine Methode der Komplementären Medizin, die ergänzend oder statt den Methoden der Schulmedizin angewendet wird.

Nebenwirkungen

Bei dieser Therapie treten nur selten Nebenwirkungen auf. Folgende Nebenwirkungen sind bekannt:

  • Müdigkeit bzw. vorübergehende übermäßige Entspannung nach der Behandlung, unter Umständen mit Beeinträchtigung der Verkehrstüchtigkeit.
  • Schmerzhaftigkeit der Nadelung durch vorübergehende Nervenreizung, evtl. mit Schmerzen und Sensibilitätsstörung in der Einstichregion.
  • Blutungen und Blutergüsse, durch die Verletzung kleiner Blutgefäße an der Einstichstelle.
  • Beim Stechen von Akupunkturnadeln besteht ein geringes Risiko einer Infektion. Bei Patienten mit intaktem Immunsystem und der Verwendung steriler Einmalnadeln ist dies nahezu ausgeschlossen.
  • Störung der Kreislaufregulation mit Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen und Schwindel.
  • Aktivierung von Iatenten (bereits vorhandenen, aber noch nicht ausgebrochenen) Krankheitsprozessen, sowie eine vorübergehende, sehr selten auch länger bestehende Verschlechterung des behandelten Leidens (so genannte "Erstverschlimmerung”).
  • Vorübergehende vegetative Reaktion wie Schwitzen, Schwächegefühl, "Nadelkollaps", Benommenheit, Schlafstörungen, Übelkeit, Erbrechen, etc. emotionale Reaktionen wie Angst, Panik, Euphorie, Lethargie, etc., Hautreaktionen.
  • Verletzungen der inneren Organe (z. B. Herz, Lunge, Phneumothorax), bei sachgerechter Anwendung auszuschließen.
  • In extrem seltenen Fällen kann eine Akupunkturnadel abbrechen, ggf. kann dies einen operativen Eingriff zur Entfernung der Nadel erforderlich machen.
  • Mögliche lokale Hautverbrennung, falls, eine Wärmebehandlung (Moxibustion) durchführt wird.

Falls Nebenwirkungen auftreten sollten, werden ggf. Gegenmaßnahmen erforderlich (z.B. Entfernung oder Umplatzierung einer Nadel bzw. einer Wärmequelle). Bei einer Wärmebehandlung (Moxibustion) informieren Sie uns bitte, falls Ihnen die Wärmequelle als unangenehm oder zu heiß erscheint. Falls zu einem späteren Zeitpunkt Nebenwirkungen auftreten sollten, bitten wir um sofortige Rücksprache und ggf. Wiedervorstellung.

Relative Kontraindikationen

Absolute Kontraindikationen sind für die Akupunktur bis her nicht bekannt, jedoch darf in folgenden Fällen die Akupunktur nur unter besonderen Abwägungen durchgeführt werden:

  • Schwangerschaft
  • Selbst bei Blutgerinnungsstörungen (z. B. durch Marcumar, Falithrom), bei Blutern (Hämophilie), verminderten Blutplättchen (Thrombozytopenie) u. a.
  • Psychiatrische Erkrankungen (z. B. akute oder schwere endogene Depressionen, Neurose, Paranoia)
  • Entzündete, bestrahlte oder anderweitig verletzte Hautareale. Kontaktallergien (z. B. Nickel oder Chrom) bei Stahlnadeln, sowie Silikonallergie bei Silikon beschichteten Nadeln
  • Akute lebensbedrohliche Erkrankungen.
  • Schwere Schädigung des reizleitenden und - verarbeitenden Systems (z. B. nach neurochirurgischen Eingriffen (z. B. Chordotomie, Sympathektomie), nach schweren Traumata (z. B. Querschnittslähmung) oder bei neurologischen Erkrankungen (z. B. Syringomyelie) u. a.,
  • Krampfleiden (Epilepsie).
  • Schweren Grunderkrankungen (z. B. schwere Krebserkrankung mit Endstadium).

Mit Ausnahme des Hämatoms und der Kreislaufstörungen sind alle unerwünschten Wirkungen extrem selten. Ihre Häufigkeiten wird auf unter 0,01% der Behandlungen geschätzt, d. h. sie kommen höchstens einmal unter 10.000 Behandlungen vor.